LA MICROACCIÓN - Santiago de Chile, 2005
Hintergrund dieser Performance ist ein neues Gesetz in Chile, welches Straßenmusiker in Bussen
und Bahnen verbietet. Diese Straßenmusiker gehören jedoch zum kulturellen Profil in Chile und
prägen das Bild der Großstädten entscheidend mit. Zudem bildet diese Tätigkeit für viele Men-
schen eine ehrliche Art, ihr Geld zu verdienen, häufig sogar mit dem, was sie für ihre Berufung
halten. So kann man in den Bussen und Bahnen Chiles eine beträchtliche Vielfalt an Musik-
richtungen und Instrumenten erfahren, dabei häufig sogar von den Musikern selbst kreierten
Liedern lauschen.
Doch in der chilenischen Gesellschaft werden diese Musiker oft als Belästigung und Ärgernis be-
trachtet, die Stadt soll von ihnen „gereinigt“ werden. Indem hier bekannte Musiker sich in die
Situation eines Straßenmusikers begeben, der um jeden kleinen Lohn betteln muss, soll das Ge-
spür der Menschen für die Straßenmusik in Chile als einer höchst kreativen und lebendigen
Kunstform geschärft werden, die unsere Beachtung und Wertschätzung verdient.
Ein Bus steht während der Eröffnung der Ausstellung CIRCUITOS vor dem Kulturzentrum
Matucana 100 in Santiago de Chile. Die Zuschauer steigen ein und bekommen jeder ein Ticket.
Als alle sitzen, ertönt Motorengeräusch und der Künstler, im Anzug auf dem Platz des Busfahrers
sitzend, beginnt zu reden. Er spricht über die alltägliche Routine, aber auch über die chilenische
Gesellschaft, über die schwindende Solidarität und den aufkommenden Materialismus.
Plötzlich ruft er aus: „Das gibt es ja nicht, da ist mein alter Studienkollege, der Carrumba.“
Herein kommen zwei Musiker der in Chile ziemlich bekannten und erfolgreichen Gruppe
„Cholo mandinga“ und singen zwei Lieder mit Texten von Pablo Neruda, begleitet nur von einem
Saxophon. Dann gehen sie im Bus herum und bitten um eine kleine Spende. Schließlich ver-
lassen sie den Bus und ein anderer Musiker steigt ein, der ein neuartiges und 2002 in der
Schweiz
erfundenes Instrument, ein Hang, spielt. Auch er verlässt den Bus wieder, nachdem er
ein Lied gespielt und um eine kleine Spende gebeten hat. Schließlich steht der Performer von sei-
nem Platz als Busfahrer auf und hält eine kleine Ansprache, danach lässt er die Zuschauer hinaus
und verteilt dort einen großen Kuchen in Form eines Fußballfeldes.
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